Die Kartoffelkäferbekämpfung in unserem Raum
aufgeschrieben von Hans Volkert
Mit dem Schreiben der Landwirtschaflsstelle Roth wurde am 3. 9. 1924 erstmals zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers aufgerufen.
Am 24. 5. 1933 wandte sich das Staatsministerium für Wirtschaft, Abteilung Landwirtschaft, wegen Bekämpfung des Kartoffelkäfers direkt an die Gemeinden. Der Kartoffelkäfer (Koloradokäfer) habe sich in den letzten Jahren in Frankreich so stark vermehrt, dass die Gefahr seines Übergreifens auf Deutschland bedrohlich näher gerückt sei. Trotz der verschiedenen Verordnungen der Staatsregierung zur Bekämpfung des Schädlings musste in den Folgejahren weit mehr als seitdem damit gerechnet werden, dass der gefürchtete Käfer eingeschleppt werde. Diese Gefahr bestand in erster Linie für die Pfalz. Die Anstalt für Pflanzenanbau und —Schutz wurde deshalb nicht müde, immer wieder die Bevölkerung auf den Koloradokäfer und die damit auftretenden Gefahren durch Merkblätter hinzuweisen.
Mit der Verordnung vom 17. 3. 1933 wurde im Detail die Bekämpfung des Käfers wie folgt beschrieben:

Äcker, Gärten und andere Grundstücke unterlagen künftig der Überwachung, zunächst durch die Polizeibehörden und den Landwirtschaftsstellen. So musste das Auftreten des Käfers unverzüglich der Ortspolizeibehörde angezeigt werden. Die Versendung und sonstige Vermittlung des Käfers waren bei Androhung einer Geldstrafe bis 150 RM verboten.
Der außerordentlich starke Zuflug des Käfers aus Frankreich im Jahr 1938 veranlasste die Behörden, ab 1939 den Landkreis Schwabach in die Gefahrenzone mit einzunehmen.
Zur Abwehr des Käfers wurde am 4, 5. 1939 angeordnet, dass von allen Nutzungsberechtigten die mit Kartoffeln und Tomaten bestellten Grundstücke an festgesetzten Suchtagen kolonnenweise abgesucht werden mussten. Für die einzelnen Landkreisgemeinden wurde wöchentlich ein besonderer Suchtag festgesetzt Für Leerstetten und weiteren 9 Gemeinden war dies zunächst der Mittwochvormittag. Jede Kolonne sollte 10 bis 15 Personen umfassen. Als Kolonnenführer kamen in erster Linie die Bürgermeister, die Ortsbauernführer, die Lehrer und die Feldhüter in Betracht. In Leerstetten übernahm seinerzeit auch der damalige Pfarrer Karl Plesch die Führung einer Kolonne.
Vor Beginn der Suche waren zunächst die Anwesenden und die Nichtanwesenden festzustellen. Die unentschuldigt der Suche Ferngebliebenen waren der Ortspolizeibehörde zur Bestrafung zu melden.
Da sich die Kartoffelkäfer mit Anhang bei regnerischer Witterung unter die Blätter verkrochen, blieb eine Suche nur bei sonniger Witterung erfolgreich. Jeder Teilnehmer an der Aktion sollte jeweils nur zwei Pflanzenreihen absuchen.
Der Kolonnenführer hielt anfangs zum Abtöten der gefundenen Käfer und Larven ein mit Spiritus oder Benzin gefülltes Fläschchen bereit.
Jede Gemeinde hatte — wie schon erwähnt - ihre gesamte Flur wöchentlich einmal planmäßig abzusuchen, auch die Felder auswärtiger Eigentümer.
Wurde in Fällen einer zu starken Belastung der Gemeinde durch eine Nachbargemeinde hervorgerufen, hatten sich die betreffenden Bürgermeister über eine gerechte Verteilung der abzusuchenden Felder zu verständigen.
Die Gemarkung der Gemeinde war in so viele Suchbezirke einzuteilen, dass jeder Bezirk von einer Kolonne bequem und gewissenhaft abgesucht werden konnte und jede Kolonne dazu etwa die gleiche Zeit benötigte.
Die erwähnten Suchbezirke und die jeweiligen Kolonnenführer sollten während des Jahres nicht ausgetauscht werden.
Während bei Bedarf auch Nichtanbauer und Schulkinder zum Suchdienst eingesetzt werden konnten, sollten Kriegsgefangene und Fremdarbeiter davon ausgeschlossen bleiben. Die Schüler waren so einzusetzen, dass zwischen 3 bis 5 Kindern 2 Erwachsene gingen. Verboten war es, eine Lehrkraft mit einer großen Anzahl von Kindern allein auf die Felder zu schicken, also den Suchdienst nur allein von einer Schule durchführen zu lassen.
Nach Beendigung des Suchdienstes. der nicht vor 9 Uhr beginnen und nicht nach 21 Uhr enden sollte, hatte der jeweilige Kolonnenführer den Meldezettel dem Bürgermeister zu übergeben. Dieser Vordruck enthielt Angaben über den Nutzungsberechtigten, den befallenen Acker und auch die jeweils gefundenen Käfer, Laren, Puppen und Eigelege.
Leider erwies sich auch die Annahme als irrig, dass die Schädlinge durch die strenge Kälte im Jahr 1947 erfroren seien. Deshalb musste auch in den Folgejahren verstärkt der sich immer mehr ausbreitenden Gefahr begegnet werden.
Das Suchpersonal war während seines Einsatzes gegen Unfall- und Haftpflichtschäden eigens versichert.
Leider konnten alle die bis dahin erfolgte Suchaktionen das Vordringen und Vermehren des Kartoffelschädlings nicht stoppen. Ab etwa 1949 wurden andere, wirkungsvollere Methoden der Bekämpfung notwendig, nämlich die Vergiftung des Käfers und seiner Nachkommen durch das Gift Kalkarsen. Die zunächst eingesetzten und auf dem Rücken getragenen Handspritzen wurden von immer wirkungsvolleren, an den Traktoren angekuppelten Spritzen abgelöst. ![]()
Lange hatte es gedauert, bis man in Leerstetten mit seinem überwiegenden Kartoffelanbau erstmals einen Käfer zu Gesicht bekam. Heute gehört er zum jährlich zu bekämpfendem Übel.
Anmerkungen (aus Wikipedia – hier gibt es auch weitergehende Informationen zum Käfer - Kartoffelkäfer – Wikipedia):
Erwachsene Kartoffelkäfer sind in der Lage, mehrere hundert Kilometer weit zu fliegen,
wenn sie Nahrung oder passende Wirtspflanzen suchen.
Die Käfer legen im Juni an den Blattunterseiten der Kartoffelpflanze jeweils Pakete von 20 bis 80 gelben Eiern ab. Insgesamt sind es pro Weibchen etwa 1200 Eier.
Aus den Eiern schlüpfen nach 3 bis 12 Tagen die Larven. Die Larven wachsen schnell heran und häuten sich dreimal. Nach 2 bis 4 Wochen kriechen sie in die Erde, um sich dort zu verpuppen. Nach ungefähr zwei weiteren Wochen schlüpfen die Kartoffelkäfer, die jedoch noch mindestens eine Woche im Boden bleiben. Pro Jahr treten ein bis zwei Käfergenerationen auf. Kartoffelkäfer überwintern als fertige Käfer im Boden.
Auch lesenswert: Albert Hofbeck: Die Mär vom Kartoffelkäfer, erschienen in den Heimatkundlichen Streifzügen des Landkreises Roth – Heft 44, auf Seite 24
Schwanstetten im April 2026
Alfred J. Köhl