Gemeindewaage

Die öffentliche Gemeindewaage
 
In seiner Sitzung am 31.12.1871 beschloss der Gemeindeausschuss, weder das große Hohlmaß noch eine größere Waage anzuschaffen, da aus diesen Anschaffungen voraussichtlich kein Gewinn gezogen werden könne oder sie gar nicht benutzt würden und somit als totes Kapital herumstünden.
 
 
 
 
In der nachfolgenden Zeit muss sich die Ansicht der Gemeindevertreter jedoch geändert haben und eine Waage gekauft worden sein, denn der Ausschuss stellte fest, dass die von der Gemeinde angeschaffte Waage auch dazu diene, den jährlich in der Gemeinde geernteten Hopfen zu verwiegen. In dieser Sitzung forderten die Vertreter, für die Waage ein geeignetes Lokal zur Verfügung zu stellen. In Haus Nr. 17 wäre ein solcher abschließbarer Raum vorhanden. Nach den Rechnungsbelegen baute der Maurermeister Michael Engelhardt in der Gemeindeschmiede eine Waage ein.
 
Am 7.10.1889 fiel dann der Beschluss, eine Hopfenwaage von der Schlosserei Käs in Schwabach um 70 Mark anzuschaffen.
 
In der Sitzung am 23.01..1890 kam dann der Beschluss zustande, die hiesige neue Dezimalwaage für ein Jahr, nämlich vom 23.01.1890 bis 22.01.1891, an den Meistbietenden zu vermieten. Daraufhin wurde die Gemeindewaage an Michael Weiß von hier für 10 Mark für ein Jahr verpachtet. Gleichzeitig beschloss man folgende Waaggebühren:
 
a) für 1 Kalb oder 1 Schwein bis 150 Pfund = 15 Pfennig
b) für schwerere Tiere              =  20 Pfennig
c)für Hopfen bis zu 100 Pfund = 20 Pfennig)
d)für Hopfen bis zu 150 Pfund = 25 Pfennig  
e) für Hopfen ab 151 Pfund      = 35 Pfennig.
 
Auf Anordnung des Königlichen Bezirksamts vom 30.01.1890 musste über den vorher gefassten Beschluss nochmals beraten werden.
In der Sitzung vom 6.02.1890 wurde abermals festgestellt, dass die gemeindliche Dezimalwaage, welche sowohl Vieh- als auch Hopfenwaage war, an den Meistbietenden für ein Jahr zu vermieten ist. Als Waagmeister wurden der schon vorher bestimmte Johann Michael Weiß, Bäckermeister und Gütler, Haus Nr. 44 und als sein Stellvertreter Konrad Volkert, Bauer und Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, Haus Nr. 26/27, bestellt.
 
Da diese verhältnismäßig kurze Pachtdauer den Gemeindevertretern nicht gefiel, beschlossen sie am 5.12.1894, die Zeit der Vermietung der Waage am 31.12.1894 auf drei Jahre zu erhöhen.
 
Nach dem Ende des Hopfenanbaus in Leerstetten wurde die Waage nur noch als Viehwaage benutzt. Zu diesem Zweck wurde vermutlich am 14.08.1917 von der Firma Friedrich Berger aus Nürnberg eine 1.000 kg Laufgewichts-Viehwaage angeschafft und vom Maurermeister Konrad Meyer auf ein entsprechendes Fundament im Gemeindehaus eingebaut.
 
Es gab eine ganze Reihe von Waagmeistern in der Gemeinde. Selbstverständlich wurde diese Waage in regelmäßigen Zeitabständen vom Eichamt überprüft.

Schwanstetten Oktober 2021
Mario Engelhardt

 
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