Johanneskirche


Ortsteil Schwand

Die Johanneskirche

 
Seit Jahrhunderten schon prägt die trutzige Johanneskirche oberhalb des Ortskerns von Markt Schwand das Gesicht der Gemeinde - genauso wie die Pfarrer und Mesner seine Bewohner.(siehe hierzu Schule).



Im Jahr 1186 wurde von Bischof Otto in Schwand eine Kirche geweiht, eine Tochterkirche der Urpfarrei Pfaffenhofen (= Hof eines weltlichen Seelsorgepfarrers). Es war eine Holzkirche, die abgerissen wurde, als sie baufällig und zu klein geworden war.



Um 1450 entstand dann eine spätgotische Wehrkirche aus Sandsteinen. Der Friedhof wurde mit einer Mauer umgeben. Sie war jetzt eine Filialkirche von Roth, denn zu diesem Zeitpunkt hatte Schwand keinen eigenen Pfarrer. Eine eigene Pfarrei wurde Schwand erst von 1502 – 1524, und dann ab 1537 bis heute. (siehe hierzu Geschichte um 1500).



Der massive Kirchturm mit den drei alten Untergeschossen und einem gotischen Ostfenster zeigt noch heute die damalige „Wehrhaftigkeit“. Das Kirchenschiff war nördlich an den Kirchturm angebaut und reichte im Osten bis an die Friedhofsmauer heran. In dieser Kirche gab es drei Altäre: den Hauptaltar für Johannes den Täufer und zwei Seitenaltäre zu Ehren der Hl. Barbara und der Hl. Katharina.

1547 im Schmalkaldischen Krieg brannte die Kirche nieder, binnen eines Jahres hatten die Schwander unter großen Opfern sie aber wieder aufgebaut. Die Wirren des 30-jährigen Krieges überstand sie unbeschadet, auch wenn der Ort mehrmals Opfer schlimmer Brandschatzungen und Plünderungen geworden war.


Eine Ansicht von 1563 zeigt, dass der Kirchturm neben dem eigentlichen Kirchenraum stand. Auch heute kann man noch die Größe des damaligen Kirchenschiffes an der alten Anbaustelle am Turm erkennen.


1751 - 1753 erfolgte dann der „Umbau“, die Umgestaltung. Die spätgotische Wehrkirche war für die wachsende Pfarrgemeinde zu klein geworden. Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander (1729 -1757) beauftragte daher seinen Kirchenbaumeister Johann David Steingruber aus Wassertrüdingen mit dem Kirchenbau (Bauzeit 1751 -1753).

Der Kirchturm blieb stehen. Das Kirchenschiff mit den engen Fenstern wurde abgebrochen. Ein nüchterner Neubau im Markgrafenstil entstand. Das Kirchengebäude wurde auf der Westseite des schlanken Kirchturms angebaut (wie schon beim Vorgängerbau, nur eben größer). Die drei Altäre mit Holzbildwerken aus Nürnberger Werkstätten wurden wahrscheinlich beim der damaligen Umgestaltung als „überflüssig“ verkauft.

Der Markgraf ordnete an, aber die Schwander mussten selbst das nötige Geld für ihre Kirche aufbringen. Finanziert wurde die Maßnahme durch Stiftungen von Simon Bremser und Pfarrer Zinn, durch Hauskollekten im Ort, durch Abholzung von 5,5 Morgen Wald in der Sooß mit Ertrag von 860 Gulden bestritten, ferner mit dem Zinn' sehen Legat von 100 Gulden, einer Kollekte im Dekanat Schwabach mit 137 Gulden und im Dekanat Langenzenn mit 52 Gulden, einer Haussammlung in der Gemeinde Schwand mit 287 Gulden, dem Premser'schen Legat mit 1350 Gulden, aus Holzverkauf mit 51 Gulden, aus Klingelbeuteleinlagen mit 80 Gulden, durch Schuldaufnahme bei dem »Heiligen« in Leerstetten mit 600 Gulden, und durch Hand- und Spanndienste der Pfarrgemeinde.

Markgrafenstil:

Unter dem Einfluss des „holländischen Barockstils“ (strenge,
nüchterne Formen) wurde die Kirche von Johann David Steingruber gebaut. Dieser Stil zeichnet sich durch den sogenannten Kanzelaltar aus, d. h. „Altar - Kanzel – Orgel“ sind übereinander angeordnet. Dies spiegelt die damalige protestantische Predigt- und Abendmahlsfrömmigkeit wider.

Die Kirche wurde zur Predigtstätte mit der Kanzel als Mittelpunkt für die Gläubigen. Der Altar, an dem die Gemeinde das Abendmahl empfängt, die Kanzel, von der sie das Wort Gottes hört, und die Orgel, die sie zum Lob Gottes ermuntert, liegen übereinander. Der Altarraum ist vom Kirchenschiff nicht mehr getrennt, entsprechend der reformatorischen Erkenntnis vom Priestertum aller Glaubenden, das die Trennung zwischen Klerus und Laien aufhebt.

Das Langhaus ist ein Saalbau mit zwei umlaufenden Emporen, von Säulen getragen und von hellen Fenstern beleuchtet. Die Gänge in der Kirche bilden ein Kreuz.
Im Jahre 1764 führte man durch Verkauf der Kirchenstühle eine feste Sitzordnung ein. Der Gitterstuhl an der Nordseite gehörte der Pfarr- und Richterfamilie, der gegenüber auf der Südseite der Wildmeister- und Schulmeistersfamilie. Die durch Holzgitter abgetrennten Stühle existieren noch, sind aber nicht mehr für bestimmte Personen reserviert. Auf der ersten Empore an der Südseite in der ersten Reihe saßen die Honoratioren: der Richter und der Papiermüller von der Oberfichtenmühle. (In Augenhöhe mit dem Pfarrer, der sonst von seiner Kanzel aus auf seine „Schäfchen“ hinunter blickte.








Das Portal der Kirche im Süden ziert das Wappen des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich (1729 - 1757). Das Wappen zeugt von der bedeutenden Vergangenheit Schwands unter den Hohenzollern.
(siehe Kircheninventar).


Das Markgräfliche Wappen, so wie es im Kircheninneren über der westlichen Empore zu sehen ist:





"Der hochragende, spitze Kirchturm hat allerlei Stürmen standgehalten. Bereits im Jahr nAnsicht von Nordenach der Einweihung der Kirche 1754 wurde er von einem Blitzschlag getroffen. Die angerichteten schweren Schäden mußten mit einem Aufwand von 214 Gulden beseitigt werden.
Wenige Jahre später 1760 schleuderte ein heftiger Sturmwind den Kirchturmknopf mit dem Hahn zu Boden. Es wurde um 163 Gulden ein neuer, 65 Pfund schwerer Knopf angebracht.
Am 12. Dezember 1833 brach ein heftiger Sturm die Helmstange des Turmes ab.

Ein Orkan vollends zog 1868 über die Schwander Flur, die Turmstange mit Knopf und Fahne brach ab, es entstanden Kosten in Höhe von 400 Gulden.

Zwei Jahre später, am 26. Oktober 1870, hat ein schwerer Sturm die hölzerne Heimstange zersplittert, der Knopf mit dem Schwan ist auf das Kirchendach herabgestürzt. Es mußten zur Beseitigung des Schadens 2000 neue Dachziegel beschafft werden".

Im Jahr 1842 wurde das Innere der Kirche vollständig renoviert, zehn Jahre später der obere, nur aus Fachwerk bestandene Teil des Turmes, worin sich die Glocken befinden, mit Quadersteinen neu aufgeführt.
 
1952, 1982 und 2003/2004 (Turm und Glocken) und jetzt wieder 2017 und 2018 wurden und werden weitere Renovierungen, Sanierungen durchgeführt – oder werden folgen...

... eine unendliche Baugeschichte halt .....
 

Schwanstetten im September 2007, überarbeitet im Januar 2018

Zusammengestellt von Alfred J. Köhl mit Unterlagen von Alfred Wenig und der Broschüre
800 Jahre Kirche in Schwand.

Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Schwand

 

Weitere Quellen und Literatur finden Sie hier
 

Standort

Nürnberger Straße 19
90596 Schwanstetten
Deutschland
49° 17' 56.6664" N, 11° 7' 15.5496" E
DE
Die Johanneskirche in Schwand