Die Chronik von Schwand

Chronik

Von den Anfängen zum Oppidum

Wie es zur „Gründung von Swande“ kam, wird wohl immer im Dunkel der Wälder um Schwand verborgen bleiben.

Luftbildaufnahmen zeigen, dass es Spuren von vorgeschichtlicher Siedlungstätigkeit und von Grabhügeln mit Kreisgräben im Gemeindegebiet gibt, die aber archäologisch (noch) nicht ausgewertet sind.


Irgendwann vor rund 1000 Jahren dürfte dann die Besiedelung der neueren Zeit erfolgt sein. In dem riesigen Waldgebiet gab es eine Lichtung (Leere Stelle = Weide, die wohl zur Besiedelung von Leerstetten führte), eine riesige Sanddüne und den Hembach. An diesem Hembach entlang führte ein Weg von West nach Ost. Und es gab eine Furth, eine Wegkreuzung mit einem zweiten Weg von Nord nach Süd. An dieser Kreuzung war wahrscheinlich eine „Thing-stätte (wie der Flurname „An der Alting“ heute noch vermuten lässt). „Thing“ bezeichnet bei den Nordgermanen eine Stelle, an der sie unter freiem Himmel Volks- und Gerichtsversammlungen abhielten. Es ist urkundlich bekannt, dass die Grafen von Abenberg noch im Jahre 1162 auf einer Höhe zwischen Roth und Pfaffenhofen ein „Grafending“ abhielten. Im Bereich um diese Wegkreuzung sorgten die ersten Bewohner dafür, dass der Wald „ver-schwand“ und Platz machte für eine Besiedelung, für Haus und Hof. Dazu wurden die Baumstämme entweder angebohrt oder die Rinde abgeschält, so dass sie abstarben und leichter abgebrannt werden konnten, so wie der Name „althochdeutsch swant = schwinden“ aussagt. Grundherren waren seinerzeit die Grafen von Ortenburg, die diesen Teil des Bannwaldes als Lehen vom König (zu dieser Zeit die Salier Heinrich IV oder Heinrich V) verliehen bekommen hatten. Der Dorfkern an der Wegkreuzung umfasste wohl sieben oder acht große Bauerhöfe, das Strassenwirtshaus = die Taverne und etwas außerhalb, - nordöstlich gelegen - die Mühle. Diese Kreuzung betraf zwei inzwischen wichtige Handelsstrassen: In West-Ost-Richtung aus den Niederlanden über Köln, Frankfurt, Würzburg, Rothenburg, Ansbach, Schwabach, Rednitzhembach und Schwand weiter nach Harrlach, Pyrbaum, Neumarkt, Regensburg und Wien. In Nord-Süd-Richtung aus Leipzig, Bamberg, Bayreuth, Nürnberg, Kornburg und Leerstetten über Schwand weiter nach Meckenlohe, Roth, Weißenburg, Augsburg und Innsbruck nach Italien. Insbesondere der Handel der Nürnberger mit Italien nach den Kreuzzügen war auf der Schwander Strasse unmittelbar spürbar, denn die ursprünglich über Schwabach führende Strasse umgingen die Nürnberger gern, um sich die hohen Schwabacher Zollgebühren zu sparen. Ein zweiter Dorfkern entstand nördlich des Hembaches rechts und links neben der Herrengasse (heute Nürnberger Strasse), bestehend aus einem befestigten Wirrtschaftshof, rings von Gräben umgeben und einem Bauernhof gegenüber der Strasse südlich der Kirche. Auf diesem Dorfgebiet wurde am Rande des Dorfes auf einem erhöhten Buck die Kirche errichtet und 1186 von Bischof Otto von Eichstätt (1182 – 1196) geweiht. Auf „Herrengrund“ wurde später eine Kaplansbehausung mit Pferdestall, Scheune und Garten errichtet. Es ist die gleiche Stelle, auf der heute das Pfarrhaus und das Gemeindehaus stehen. Auch das erste Schulhaus aus späterer Zeit steht, wie das Richterhaus, auf diesem ehemaligen Herrengrund.

Die Burggrafen von Nürnberg

Um 1259 - 1261 erfolgte dann der „Erwerb“ des oppidum Swant durch die Burggrafen von Nürnberg, in deren Besitz es mit Unterbrechungen für die nächsten 129 Jahre blieb. Unter „oppidum swant“ dürfen wir uns nicht eine einheitliche, geschlossene Siedlung vorstellen, umgeben von Wall und Graben und einem Palisadenzaun als Vorstufe für eine spätere Stadtmauer. Der hohe Grundwasserstand und die Teilung durch den Hembach machen dies unwahrscheinlich. Zudem fehlen jegliche Hinweisreste. Der Ausdruck bezog sich somit wohl nur auf einen befestigten Wirtschaftshof. Die einzige Stelle in Schwand, wo dieser gelegen haben kann, ist das Anwesen Boxlohe 7. Es liegt etwas erhöht auf felsigem Grund mit Steilabfall zum Hembach. Auf dem Grundstück befindet sich eine Quelle, die im Belagerungsfall von großer Wichtigkeit war. Einen Hinweis auf die befestigte Stätte, die möglicherweise mit einem Graben gesichert war, könnten auch die Flurnamen geben: Im Nordosten davon „Im Graben“ und die „Grabengärten“. Im Süden der Gassenname „Vorstadt“ für die angesiedelten Handwerker. Wahrscheinlich – da es nie mehr erwähnt wird – wurde es bereits vor 1390 gründlich zerstört und verwüstet. Bei den alten Bauernhöfen handelte es sich um strohgedeckte Fachwerkbauten mit Walmdach. Beim Fachwerk waren Riegelwände mit Lehm verputzt, das Strohdach hing tief herab. Wohnraum und Stall waren unter einem Dach. Getrennt vom Haus stand die Scheune für die Feldfrüchte. In Nebengebäuden waren die Stallungen für Schweine, Schafe, Hühner, Gänse und Enten. Die Gebäude mit Hof, Kräutergarten, Brunnen und Backofen bildeten einen fest umschlossenen Raum, die Hofrait, eingeschlossen von Zaun und Hecke. An den heutigen Windungen der Gassen sind die alten Hofraiten noch zu erkennen.


Burggräfliches Urbar von 1360

Hier werden „im Markt ze Swant“ unter Nennung der Namen und der Abgaben folgende Besitzer aufgezählt. Ein Müller, die „niedern Müle“, die Obernmüllner, ein Gut, eine Schmiede mit Hofstatt, zwei Huben, 25 Hofstätten, eine Taverne, eine Selde, ein Doppellehen mit Hofstatt, ein Doppellehen, zwei Lehen mit Hube, sechs Lehen, ein Fischlehen mit Hofstatt, eine Fischweide mit Hofstatt, ein Putellehen, ein Forstlehen sowie drei weitere Hintersassen. Das ergibt maximal 46 Anwesen, weil es sich bei den sechs Lehen wohl um reine Feldlehen handelt.
 
1. Eine Selde (auch Sölde genannt) bezeichnete den Hof und Grund eines Söldners (kein Soldat, sondern ein Kleinbauer, Häusler), der manchmal auch etwas Vieh besaß und in der Regel davon allein nicht leben konnte. Ein Seldengütlein war ein kleiner Hof eines Häuslers.
2. Eine Hofstatt ist der Grund eines Hofes.
3. Eine Hube ist eine mittelalterliche Maßeinheit.
(Hufe, eigentlich ein eingezäuntes Stück Ackerland; dann ein Stück Land von dem Umfang, dass sich ein Landmann mit seiner Familie davon ernähren, und dass er es jährlich mit einem Gespann Pferde bestellen konnte; endlich ein früher gebräuchliches Acker- oder Feldmaß von freilich sehr verschiedener Größe, gewöhnlich 30 Morgen.
4. Ein Lehen ist ein Stück Land, das von einem Herrscher an einen Untergebenen gegeben wurde, der es bebauen durfte, aber verpflichtet war, dem Herrscher einen Teil des Ertrags (den Zehnt) zu geben. Sprachlich hängt der Ausdruck "Lehen" mit "leihen" zusammen, bedeutet also so viel wie ein "geliehenes Gut".
5. Könige und Kaiser vergaben "Fischlehen", d.h. Fischrechte, also das Recht, Fische zu züchten.
6. Eine Fischweide ist ein in stehenden Wassern zugerichteter Ort, wohin die Fische ihre Zuflucht nehmen und wo sie in Mengen gefangen werden.
7. Ein Putellehen ist ein Besitz an Vieh.
8. Ein Forstlehen ist ein zu Lehen gegebener Teil des Forstes, ein verliehener Forst.
9. Hintersassen waren Landleute, die ohne Güter, nur mit einem Haus, Garten oder einzelnen Feldern "angesessen" waren. Hintersassen ist ein Sammelbegriff für die vom Grundherrn abhängigen Bauern, die sog. Hörigen.

Spielball der Burggrafen und der freien Reichsstadt

Durch die Jahrhunderte hindurch war auch Schwand ein Spielball zwischen den Bürgern der freien Reichsstadt Nürnberg und den Burggrafen/Markgrafen von Brandenburg/Ansbach. Die Bauern waren als Untertanen gleichsam Leibeigene der jeweiligen Grundherren. Für einige von ihnen war der Wildreichtum in den Wäldern wichtiger als das Wohlergehen der Bauern. Die Jagd war ein wichtiges Statussymbol der Herrschenden. Einmal (1700) war sogar der Kurfürst von Mainz als Jagdgast in Schwand. Daher wurde zur Pflege des Wildes (und als Aufpasser gegen Wilderer) schon früh (1489) ein Wildmeister in Schwand eingesetzt. Den Bauern war es sogar verboten das Wild zu vertreiben, das ihre Äcker und Gärten verwüstete. Und wenn bei einer Jagd die wilde Hatz durch Feld und Flur die Ernte zerstörte und hungrige Bauern zurückließ, dann kümmerte das die hochherrschaftlichen Jäger wenig. Erst spät, nach einer Hungersnot (1771/1772) wuchs die Einsicht, dass die Äcker zur Volksernährung wichtiger sind als der Wald und das viele Wild.

Nürnberger Bürger (Patrizier) als Herren von Schwand

1442 (bis 1475) erhält der reiche Handelsherr Wilhelm Löffelholz von Markgraf Albrecht Achilles Schwand auf Wiederverkauf verpfändet. Es steht urkundlich fest, dass er eine Frühmesse in Schwand stiftete, und da in diese Zeit auch der Neubau der Kirche fällt ist anzunehmen, dass er auch dazu seinen Teil beigetragen hat. Das Familienarchiv der Löffelholz schweigt sich dazu aber aus. Die spätgotische Wehrkirche aus Sandstein, von der heute noch der Turm steht, wurde zusammen mit dem Friedhof mit einer starken Mauer umgeben. Nach dem 30 jährigen Krieg halfen die ersten Flüchtlinge, Exulanten aus Österreich und der Oberpfalz, die ihre Heimat wegen ihres lutherischen Glaubens verlassen mussten und im Markgräflichen Ansbacher Land Aufnahme fanden, tatkräftig beim Wiederaufbau. Nur rund ein Drittel der Bevölkerung hatte die Kriegswirren in Schwand überlebt, und so war die Hilfe der Neuankömmlinge bitter nötig.

 

wird fortgesetzt mit den Kapiteln:

Schwand wird Markt

Die Kirchengemeinde von 1450 bis 1550

Schule in Schwand

Vom Wildmeister zum Förster

Vom Bader zum Friseur

Das Gerichtswesen - der Galgen in Schwand

 

Quellen siehe Literaturverzeichnis

ergänzt im Februar 2017 / Dezember 2018
Alfred J. Köhl

Schwander Chronik als Geschichte