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Schulhaus von 1831

zweigeschossiger Sandsteinquaderbau mit Walmdach, 1831.


Hausname: Schulhaus; nach ursprünglicher Nutzung
Süd-West Ansicht

Situation:

Das repräsentativ angelegte zweigeschossige Haus steht auf der rechten Seite der Nürnberger Straße/ Ecke Boxlohe gegenüber Kirche und Friedhof innerhalb einer historisch wichtigen Bebauung. Es bildet an dieser Stelle einen markanten und unverzichtbaren städtebaulichen Akzent, der sich historisch, bis 1910, wirksamer darstellte, da die Gebäude der Umgebung, (Ausgenommen nur Hs. Nr. 15, 17 und 19) nur eingeschossig waren. Es ist ein städtebaulich wie auch sozial- und architekturhistorisch unverzichtbares Denkmal. Rückwärtig befindet sich ein kleiner Garten, mit ehem. Waschhaus und restlichem Keller.


Datierung: Nach Inschrift im Türsturz:

18 LEHRANSTALT 31.

(Anfang 20. Jhdt. mit Kalkmörtel verputzt, 2004 wieder freigelegt)


Auch der Baukörper mit seinem zeittypischen Gepräge wie Walmdach, glatt geschnittene Sohlbänke, Gurtgesims, flacheres Walmdach ursprünglichem Dachstuhl, etc. verweist auf die Entstehungszeit.
 

Geschichtliches:
Bis 1831 war das Haus gegenüber (Haus Nr. 19) das Schulhaus. Von 1831 bis 1912 befand sich in diesem Gebäude Schule und Lehrerwohnung, was das Gebäude als sozialgeschichtliches Denkmal anschaulich macht.
Nach einem weiteren Schulhausneubau, wurde nach 1912 hier die Lehrerwohnung beibehalten und beide Schulräume im nördlichen EG und OG weiterhin als Schulzimmer genutzt. Hierher wurde dann die Gemeindeverwaltung verlegt. Der Hopfenanbau, von dem noch Rechnungen auf Brettern im DG zeugten, war ein notwendiger Nebenerwerb des Lehrers.
1972 ging die Wohnung in privates Eigentum über.
Auf dem Katasterplan ist das alte Schulhaus mit der Nummer 13, der Vorgänger gegenüber mit der Nummer 2 bezeichnet.

Baugeschichte: 1831 erbaut; 1938 Unterteilung des Schulsaals im EG Alte Grundrissefür Gemeindekanzlei und Bürgermeisterzimmer. 1912 (wohl eher 1880 – 1890) wurde wohl auch Ziegelmauer in Stube der Außenmauer vorgeblendet und Erschließung des OG im Schultrakt erstellt. 

Beschreibung: Das Haus wird über zwei Eingänge von der Nürnberger Straße, von Westen her, erschlossen. Der rechte Eingang erschließt die Lehrerwohnung, der Linke den Schultrakt. Dieser wurde beim Umbau 1938 durch Erweiterung einer Fensteröffnung geschaffen.

Außen: Das repräsentative Haus steht über querrechteckigem Grundriss. Es ist ein zweigeschossiger Walmdachbau mit 6:4 Fensterachsen. Der Baukörper wird von der sandsteinsichtigen Konstruktion geprägt und die Fassade durch den Rhythmus der Fensteröffnungen und Türen gegliedert. Die dazugehörigen und notwendigen Fensterläden wurden von früheren Besitzern bis auf wenige Ausnahmen als Brennholz verwendet und fehlen. Derzeit wird das Gebäude jedoch wieder mit Fensterläden ausgestattet. Daneben sind glattgeschnittene Fenstersohlbänke und ein Geschossgurtgesims ausgebildet. Das Walmdach ist ein passender Abschluss des Gebäudes.

Innen: Auch das Innere des Hauses ist ein nachvollziehbares Denkmal. Der rechte Eingang zur Lehrerwohnung mündet in einen schmalen Gang, der sich rückwärtig zu einem Treppenhaus mit Hinterausgang weitet. Vorn rechts befindet sich eine Stube die mit einer Hohlkehle im Übergang von Wand zur Decke versehen ist. Sie wurde von der rückwärtigen Küche über einen Kachelofen beheizt. Die Küche selbst ist später verkleinert worden für ein kleines weiteres Wohnzimmer. Diese Wand wurde im Rahmen der zur Zeit stattfindenden Sanierungs- und Umbautätigkeiten entfernt, so dass die Küche ihre bauzeitliche Größe zurückerhielt. Hinten links ist ein Bad in die Speis eingefügt worden. Über die hölzerne, gewendete Podesttreppe wird das OG und DG erschlossen. Im OG mündet sie in einen geräumigen Flur, der den dort befindlichen weiteren Wohnraum des Lehrers und das Schul-OG mit den zwei Schulräumen (einer in der nördlichen Hausseite, ein zweiter kleinerer, vermutlich später eingfügt, auf der südwestlichen Seite).

Blick vom Kirchturm

Der linke Hauseingang mündet in einen schmalen Gang, der rückwärtig geknickt, quer nach Norden verlängert ist. Dort befindet sich eine weitere Erschließung des OG. In der Flucht des vorderen Gangs ist wiederum ein Hinterausgang. Im EG wurde der Raum in ein größeres Bürgermeisterzimmer, links, und ein Kanzleizimmer, rechts unterteilt. Das OG über der Schule wird über eine gerade, angewendelte Wangentreppe erschlossen, die in einen schmalen, langen Gang mündet und dort einen großen saalartigen Raum, der wohl ursprünglich ebenfalls ein Schulzimmer war, erschließt. Die Wand zum Treppenaufgang ist wohl nachträglich eingezogen worden. Die Schaffung des linken Hauseingangs, der Einbau der zweiten Treppe und der diversen Trennwände in der nördlichen Haushälfte erfolgte im Rahmen des „Einbaus einer Gemeindekanzlei“, der per Bauantrag von 1938 dokumentiert ist. Im entstehungszeitlichen, geräumigen DG wurde Hopfen getrocknet, wie es restliche, auf einen Verschlag geschriebene Ertragsberechnungen von 1914 zeigten. Ausstattungsdetails: Podesttreppe des späten 19. Jahrhunderts im Lehrerwohntrakt.

Konstruktion: Keller im rückwärtigen, stark überformten Schuppen. Sandstein-Rundbogentonne. Daneben Waschhaus aus Sandsteinquadern. Aufgehendes Mauerwerk, Außen und Innen: Sandsteinquader. Spätere Wände sind stellenweise mit Backstein und Heraklithplatten erstellt worden. Im OG auch Fachwerkwand mit Sand- und Backsteinausmauerung. Geschossbildung mit Balkenlagen. Böden: Solnhofener Platten im EG, in den Fluren; sonst wohl Dielen oder Riemenböden wie im OG. Decken: zum Teil mit Hohlkehlen, Fehlböden bis auf südliche Decke OG / DG, diese später durch Beibehaltung der Balkenlage und Verkleidung mit Heraklith ersetzt. Dachstuhl: geräumiger, kräftiger, liegender Kehlbalken-Walmdachstuhl, gebeilt, gezapft und mit Holznagelsicherung. Dachdeckung mit Rundschnittbibern, doppelt. Türen und Fenster: ursprünglich zweiflügelige Sprossenfenster mit Schlagläden, erneuert. Im Garten Brunnenschacht aus behauenem Sandstein, Innendurchmesser ca. 1,35m, nach Errichtung der öffentlichen Wasserversorgung verfüllt, nach Wiederentdeckung bei Beseitigung einer Betonplatte 2005 derzeit wieder ca. 1,20m tief freigelegt. Der Brunnen ist auf einem Bauantrag von 1857 für ein Backhaus im Bereich des heutigen Gehwegs vor dem Garten als Bestand dokumentiert.

Nutzung: Das Haus wird als Wohnung genutzt.

Quelle: Denkmalkartierung der Marktgemeinde Schwanstetten von 1995, Autor M.A. Hermann Schuhbach mit Ergänzungen und Korrekturen der derzeitigen Eigentümer.

Schwanstetten im September 2007, ergänzt im Oktober 2015 / März 2017, bearbeitet im Mai 2023

Alfred J. Köhl

Ein Bild aus der Zeit als hier die Gemeindeverwaltung von Schwand untergebracht war: Bürgermeister Leonhard Kohl überreicht Frau Anna Wehrer einen Geschenkkorb zum Dienstjubiläum. Mit dabei Herr ?? (Foto Pohl / Wehrer privat)