Strukturveränderungen im ländlichen Raum (Teil 2)

Die Marktgemeinde Schwanstetten

in ihren Anfängen zu Beginn der 80-er Jahre

 

1. Entstehung des Gemeindezentrums

 

Rathaus

 

Was der neuen Gemeinde noch fehlte, war ein Verwaltungszentrum. Die beiden neuen Ortsteile Schwand und Leerstetten wurden zu dieser Zeit durch Kiefernwald getrennt. Mitten im Wald bestand bereits seit 1972 die Verbandsschule. Es bot sich also an, diese Stelle weiter auszubauen und dort ein Rathaus zu errichten. Der Vorteil dieses Standortes war, dass für den neuen Ort dort ein neues Zentrum entstehen konnte, dass eine verknüpfende Funktion zwischen den Ortsteilen einnehmen konnte. Ein Zusammenbauen der Ortsteile war nicht möglich, da es sich bei dem bis heute zwischen Schwand und Leerstetten verbliebenen Wald um Bannwald handelt, der nicht abgeholzt werden darf. 1983 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen und das neue Rathaus seiner Funktion übergeben. Vor dem Rathaus entstand eine Weiheranlage und einige parkähnliche Rasenflächen, die zu Spaziergängen und zum Verweilen einladen. Im Gebäude des Rathauses befindet sich außerdem die Gemeindebücherei.

 

1988 wurde dem Rathaus gegenüber die neue Gemeindehalle eingeweiht. Diese Mehrzweckhalle enthält eine Bühne, lässt sich in drei kleinere Hallen unterteilen und wird sowohl für große Veranstaltungen wie Faschings- oder Sylvesterbälle, als auch von den Vereinen des Ortes, beispielsweise für wöchentliches Training, genutzt. Im Keller des Gebäudes Gemeindehalle befinden sich Clubräume, die ebenfalls von den örtlichen Vereinen genutzt werden, und Kegelbahnen. Neben dem administrativen Zentrum wurde also auch eine Möglichkeit der Begegnung für die Bürger geschaffen.

Auf den Rasenflächen zwischen dem Rathaus und der Mehrzweckhalle findet zweimal jährlich, nämlich am 1. Mai und am 2. Adventssonntag, ein Markt statt, an dem sich viele Vereine des Ortes beteiligen.

2. Infrastruktur zu Beginn der 80-er Jahre

1978 gab es in Schwanstetten zwei Kindergärten. Der Leerstetter Kindergarten bestand seit 1971 in der Sonnenstraße. Träger war die kommunale Gemeinde. Seit 1975 gab es im Lohweg in Schwand den Kindergarten der evangelischen Kirchengemeinde.

Die 1972 gegründete Verbandsschule stellt die Grundschulausbildung der Schwanstetter Kinder sicher. Weiterführende Schulen besuchten die Kinder zumeist in Nürnberg, einige auch in Schwabach. Die guten Verkehrsanbindungen ermöglichten dies.

Die Zahl der Katholiken in Schwanstetten war bis 1978 so stark gestiegen, dass in diesem Jahr die am 1.4.1953 eingeweihte katholische Kirche abgerissen und an ihre Stelle ein modernes Kirchenzentrum mit Jugendheim, Pfarrhaus, Seniorenwohnheim und Friedhof gebaut wurde. Neben der katholischen Gemeinde gab, und gibt es noch heute, auf dem Gebiet der neuen, politischen Gemeinde zwei evangelische Kirchengemeinden, da sowohl in Schwand als auch in Leerstetten die Gemeinden bestehen blieben.

1975 hatte sich der erste Arzt in Leerstetten niedergelassen, weitere sollten später folgen.

1978 wurde, wie oben bereits erwähnt, das Postamt Schwanstetten 1 in der Brunnenstraße eingerichtet. Auch in Schwand gab es zu dieser Zeit eine Postfiliale.

3. Entwicklung der Einwohnerzahlen

Die Gemeinde Schwanstetten verzeichnet weiterhin ein langsames, aber kontinuierliches Wachstum der Einwohnerzahlen (siehe Grafik 4). Die Nähe zum Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen und zu Schwabach und Roth, sowie die gute Anbindung dorthin durch den öffentlichen Personennahverkehr erweisen sich noch immer als „Pluspunkt“ für die Gemeinde. Außerdem bietet Schwanstetten ein zunehmend attraktiver werdendes Freizeitangebot.

Einwohnerzahlen

Grafik 3: Entwicklung der Einwohnerzahlen der Marktgemeinde Schwanstetten von 1978 bis 2002

 

4. Beschäftigungsstruktur und Hofsterben

Die bereits in den 60-er Jahren beginnende Entwicklung im Bereich der Beschäftigungsstruktur lässt sich auch in der Marktgemeinde Schwanstetten weiterverfolgen. Die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten nimmt immer weiter ab. Immer mehr Landwirte geben auf oder stellen auf Nebenerwerb um, da sich ein Vollerwerbsbetrieb nicht mehr rentiert. Oft setzten sich auch die älteren Bauern zur Ruhe, die Kinder führen aber den Hof nicht weiter, da sie einen anderen Beruf erlernt und außerhalb der Gemeinde Arbeit gefunden haben. Auch deshalb werden viele Höfe aufgegeben. Oftmals werden die landwirtschaftlich genutzten Gebäude abgerissen und entweder durch Mietshäuser oder durch Wohnhäuser für die Kinder der (ehemaligen) Landwirte ersetzt. Bis 1985 ist die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten bereits dramatisch auf 9 Leute gesunken (siehe Grafik 2). Schwanstetten ist keine von der Landwirtschaft geprägte Gemeinde mehr, sondern entwickelt sich weiter. Auch die Beschäftigungszahlen in den anderen beiden Sektoren zeigen dies: Die Zahl der Beschäftigten im sekundären Sektor hat 1970 ihren Höhepunkt und sinkt daraufhin wieder, die der Beschäftigten im tertiären Sektor stieg, es arbeiten also mehr Leute im Dienstleistungsbereich. Auch die Zahl der Pendler stieg weiter.

5. Erste Anfänge des Gewerbegebietes

Zum Ende der 70-er, Anfang der 80-er Jahre zeigten sich die ersten Anfänge eines später noch ausgebauten Gewerbegebietes in der Allersberger Straße. An dieser Stelle war genug Platz für die Firmen, ein Wachsen der Wohnsiedlungen des Ortes in diese Richtung war nur in geringem Maße zu erwarten, da die meisten Siedlungen am nördlichen Ortsrand in Richtung Gemeindezentrum entstanden. Ein paar Wohnhäuser wurden in Zusammenhang mit neuen Firmen gebaut. Bereits 1972 hatte sich in Schwand, neben dem Sägewerk, ein weiterer Industriebetrieb angesiedelt: Das Druckgusswerk Freiberger. Am östlichen Gemeinderand an der Allersberger Straße (siehe Karte) fand sich genügend Platz zur Ansiedlung einer solch größeren Firma. Acht Jahre später folgte nebenan die Firma Metzka. Beides sind große Betriebe, die auf den freien Flächen am Ortsrand genügend Platz finden. Für die Gemeinde brachten sie eine nicht unerhebliche Zahl von Arbeitsplätzen mit sich. 1983 eröffnete die Firma Modellbau Hutflesz ebenfalls in der Allersberger Straße ihren Firmensitz. Auch der Schreinermeister Jahn, der seinen Firmensitz zunächst in Schwabach gehabt hatte, verlegte Wohnort und Firmensitz nach Schwanstetten. Die beiden letztgenannten kleineren Betriebe entstanden nicht wie die großen etwas abseits des Ortes auf freiem Feld, sondern im Anschluss an die letzten Häuser des Ortes. An die Werkstätten schloss sich gleich das Wohnhaus des Inhabers an. Ebenfalls in der Allersberger Straße befand sich eine Niederlassung der BAYWA, die die Landwirte mit allen notwendigen Dingen versorgte.10

6. Ausweisung von Baugebieten

Auch Ende der 70-er und Anfang der 80-er Jahre wurden in Schwanstetten Baugebiete ausgewiesen, so dass weiter neue Einwohner zuzogen, bzw. bereits in Mietshäusern wohnende sich ein eigenes Haus im Gemeindegebiet bauten.

Nach der Einweihung des Rathauses und der Gemeindehalle wurden ab 1985 rund um das Gemeindezentrum Bauplätze ausgewiesen. (siehe Karte), so dass es sich nicht um die alleinige Entstehung eines „Verwaltungsviertels“ handelte. Auch um die neu erbaute katholische Kirche wurden Bauplätze vergeben.

In Leerstetten entstanden um diese Zeit das Gebiet am Südrand mit der Karl–Plesch-Straße und der Engelhardt-Straße. Auch im ebenfalls am Südrand der Gemeinde liegenden Gebiet von der Ulmen- bis zur Tannenstraße begann die Bautätigkeit. Am Ostrand wurden im Bereich des Bussardwegs und der Habichtstraße Bauplätze vergeben (siehe Karte).

 

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Schwanstetten in den 90-er Jahren und zu Beginn des 21. Jahrhunderts

1. Infrastruktur

Der Bedarf der Gemeinde Schwanstetten an Kindergartenplätzen war bis Ende der 80-er Jahre so enorm gestiegen, dass 1992 von der katholischen Kirche ein dritter Kindergarten, der Kindergarten St. Martin, erbaut wurde: Er befindet sich in der Sperbersloher Straße, in direkter Nachbarschaft zum Rathaus. Der kommunale Kindergarten „Sonnenschein“ in der Sonnenstraße in Leerstetten (s.o.) befindet sich seit dem 1.1.2001 in der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt. Zusammen mit dem evangelischen Kindergarten im Lohweg in Schwand besitzt die Gemeinde nun also drei Kindergärten. Ein zusätzliches Angebot zur Kinderbetreuung bietet seit 1997 das Kindernetzwerk Purzelbaum. Diese Einrichtung betreut Kinder vom 2. bis zum 12. Lebensjahr und bietet damit eine Mischung der Angebote Kinderkrippe, Kindergarten und Hort. Kinder im Krippen- und Kindergartenalter werden den ganzen Tag betreut, Schulkinder kommen vor beziehungsweise nach der Schule dorthin. Besonders für Geschwisterkinder unterschiedlichen Alters, deren Eltern berufstätig sind, bietet das Netzwerk die Möglichkeit, sich mittags wieder zu treffen. Außerdem haben die Kinder eine längerfristige „Anlaufstelle“, die sie durch verschiedene Altersstufen durch besuchen können. Seit September 2000 bietet der Kinderhort Don Bosco, der im Haus des katholischen Kindergartens untergebracht ist, weitere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder berufstätiger Eltern.

Die Ausbildung der Schwanstetter Kinder wird zunächst einmal durch die Grund- und Teilhauptschule (die alte Verbandsschule) sichergestellt. Der Besuch der Hauptschule ist dort bis zur sechsten Klasse möglich, die nachfolgenden Jahrgangsstufen werden in Rednitzhembach unterrichtet. An weiterführenden Schulen stehen das Gymnasium und die Realschule in Roth, sowie das Wolfram–von–Eschenbach Gymnasium, das Adam-Kraft-Gymnasium, die staatl. Realschule und die städtische Wirtschaftsschule in Schwabach zur Verfügung. Aufgrund relativ guter Verkehrsanbindungen, ist der Besuch einer weiterführenden Schule für Kinder und Jugendliche der Gemeinde kein Problem. Auch an Nürnberger Schulen besteht ein guter Anschluss, doch ist die kilometermäßige Entfernung höher, so dass nur wenige diese Schulen besuchen.

Das alte 1972 erbaute Leerstetter Schulhaus wird auch heute noch genutzt: seit 1988 befindet sich hier eine Außenstelle des sonderpädagogischen Förderzentrums Roth. 1999 wurde das Haus renoviert und modern ausgestattet.

Mitte der 90-er Jahre wurde das, ehemals am Schwander Ortsrand gelegene Sägewerk abgerissen. Der Betrieb siedelte in das Industriegebiet an der Allersberger Straße um (siehe VII, 4.). An seiner Stelle wurde 1997 ein modernes Seniorenheim eingeweiht, mit zunächst 32, später 40 Plätzen sowohl im betreuten Wohnen als auch in der stationären Pflege. Aufgrund der sich verändernden Altersstruktur der deutschen Gesellschaft, die auch vor der Gemeinde Schwanstetten nicht halt macht, ist die Nachfrage nach diesen Plätzen sehr groß. Es sind alle Plätze ausgelastet. Senioren, die sich noch selbst versorgen können, können im Seniorenwohnheim neben der katholischen Kirche ihren Lebensabend verbringen. In der häuslichen Alten- und Krankenpflege leistet der Diakonieverein Schwanstetten gute Dienste. Er ist im ehemaligen Schulhaus des Marktes Schwand untergebracht, ebenso wie eine Arztpraxis.

Im gesamten Gemeindegebiet gibt es vier Arztpraxen, sowie drei Zahnärzte. Die weitere medizinische Versorgung wird durch das Kreiskrankenhaus Roth, das Stadtkrankenhaus Schwabach und die Nürnberger Kliniken sichergestellt.

Auch die Dienstleistungseinrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung haben, den Einwohnerzahlen und den steigenden Ansprüchen folgend, zugenommen, wobei auch hier das Angebot in Schwand überwiegt. In Leerstetten gibt es zwei Bäckereien, eine Tankstelle und einen Blumenladen. In der Brunnenstraße (siehe Karte) befindet sich eine Ansammlung von Läden: hier gibt es eine Apotheke, eine Metzgerei und die Postfiliale. Diese Post versorgt die gesamte Gemeinde, da die Filiale in Schwand vor einigen Jahren den Sparplänen der Post AG zum Opfer fiel. Bis vor einigen Jahren gab es in Leerstetten einen kleinen Selbstbedienungsladen, der jedoch 1999 aufgab. Jetzt ist in den Örtlichkeiten eine Drogerie untergebracht. Im Ortsteil Schwand gibt es zunächst einmal an der Stelle des ehemaligen Sägewerkes Baumann einige Läden. Hier findet man von einer Raiffeisenbank über ein Sonnenstudio bis zu einem Buchladen ein vielfältiges Angebot an Dienstleistungen. Ca. 250 m weiter befindet sich der Margarethenhof, wo sich nochmals eine Ansiedlung von diversen kleinen Läden wie Bäcker, Blumenladen und Schreibwarenhandlung befindet. Am Gemeindezentrum gibt es einen weiteren Supermarkt. Kleinere und mittlere Einkäufe können also jederzeit innerhalb der Gemeinde erledigt werden und erfordern keine großen Wege. Auch Besorgungen wie Buch- oder Blumeneinkäufe können vor Ort getätigt werden. Für größere Einkäufe nutzen die meisten Einwohner die nahegelegenen großen Supermärkte in Großschwarzenlohe, Kornburg, Rednitzhembach und Schwabach.

Seit 2001 wird auch Schwand nicht mehr von seinem eigenen Wasserwerk versorgt, sondern ist Mitglied im „Wasserzweckverband unteres Schwarzachtal“.

2. Einwohnerzahlen

Auch in den 90-er Jahren kann Schwanstetten einen positiven Saldo der Bevölkerungsbewegungen verzeichnen. Die Bevölkerung nahm auch durch die 90-er Jahre hinweg zu, so dass die Gemeinde heute, zum 1.6.2002, 7853 Einwohner verzeichnet (Siehe Grafik 4).

3. Erwerbsstruktur

Die Entwicklung der Erwerbsstruktur verlief in der gleichen Weise weiter, wie sie sich bereits seit den 60-er Jahren andeutete. In den ehemals landwirtschaftlich geprägten Gemeinden verschwanden fast alle Höfe. In Leerstetten gibt es 4 Vollerwerbshöfe, von denen einer auf Biolandwirtschaft umstellen wird. Durch solche Anpassungen bleiben die Höfe wettbewerbsfähig. In Schwand gibt es heute noch 3 Vollerwerbslandwirte. Über 50% der Erwerbstätigen arbeiten im Dienstleistungssektor. Die meisten Einwohner Schwanstettens haben ihren Arbeitsplatz außerhalb der Gemeinde. Seit Beginn der 90-er Jahre bietet jedoch das neu entstandene Industriegebiet in größerem Stile Möglichkeiten, innerhalb der Gemeinde einen Arbeitsplatz zu finden (siehe unten).

4. Gewerbegebiet

Nach den ersten Ansiedlungen von größeren Betrieben in der Allersberger Straße in den 70-er Jahren, begann man Ende der 80-er und vor allem Anfang der 90-er Jahre mit der Ansiedlung weiterer Betriebe. Es entstand das Gewerbegebiet Schwand, das mittlerweile nicht mehr allein an der Allersberger Straße liegt, sondern auch auf die neue Straße „In der Alting“ ausgeweitet wurde. Neben einigen großen Firmen, wie dem Lederfabrikanten CHAMP, der WIPO oder dem Natursteine Fachhandel Gabler, siedelten sich auch viele Kleinbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern an, wie die metallverarbeitenden Betriebe Zimbrod und Brattke. In dem Haus, in dem früher die BAYWA untergebracht war, befindet sich seit 1993 ein Fachgeschäft für Teppich und Böden. Das Sägewerk Max Baumann, das schon nach dem zweiten Weltkrieg am nördlichen Ortsrand von Schwand existierte, siedelte 1996 ebenfalls ins Gewerbegebiet um. Die Anlagen im Ort wurden abgerissen. Das wohl ungewöhnlichste Unternehmen im Gewerbegebiet ist die Helikopterfirma EUROHELI, die hier ihre deutsche Niederlassung besitzt. Insgesamt bietet das Gewerbegebiet Schwand rund 280 Arbeitsplätze vor Ort.11

5. Baugebiete

Auch in den 90-er Jahren wurden in Schwanstetten weiter Baugebiete ausgewiesen. Es handelte sich jedoch nicht mehr um Waldgebiete, sondern um ungenutzte Lücken oder ehemalige Äcker am Gemeinderand. Im Ortsteil Leerstetten befindet sich eines der Baugebiete am nördlichen Ortsrand an der Ausfallstraße nach Wendelstein (siehe Karte), die anderen beiden, nämlich der Karl-Volkert- und der Fritz-Meyer-Ring –beide nach ehemaligen Bürgermeistern benannt- sind innerhalb des Ortes gelegen. In Schwand wurden von 1995-2000 das Gebiet hinter dem alten Forsthaus und ein Gebiet hinter dem Bienengarten ausgewiesen. Bei der Ausweisung der Baugebiete am Bienengarten wollte die Gemeinde durch ein besonderes Projekt, das sogenannte Einheimischen-Modell, Bürgern, die bereits in der Gemeinde leben, jedoch kein eigenes Haus besitzen, die Möglichkeit geben, zu bauen. Durch niedrige Grundstückspreise und spezielle Förderungen wollte man so Bürger an die Gemeinde binden. Nach einem speziellen Punktesystem wurde eine Rangliste erstellt, nach der die Bauplätze vergeben wurden. Ein Bewerber, der in einer Mietwohnung wohnt, bekam nach diesem System zum Beispiel mehr Punkte als der Eigentümer eines Hauses. Ebenso gab es Punkte für lange Ansässigkeit in Schwanstetten oder für ehrenamtliche Mitarbeit in Vereinen des Ortes. Es gab jedoch auch ziemlich genaue Vorschriften. So verpflichteten sich die Käufer zum Bau einer Zisterne und akzeptierten eine Bebauungsfrist nach deren Ablauf die Gemeinde bei Nichtbebauung eine Strafzahlung fordern oder das Grundstück zurückkaufen kann. Ein einmal erworbener Bauplatz darf 15 Jahre nicht verkauft werden. Sollte dies doch notwendig werden, wird eine Strafe an die Gemeinde fällig. Auch hat die Gemeinde im Falle eines Verkaufes, auch über diese Frist hinaus, ein Vorkaufsrecht. Nach einem zunächst großen Interesse sprangen dann jedoch so viele Bewerber wieder ab, das letzten Endes noch Bauplätze übrig waren, die auch an Auswärtige verkauft wurden. Es bekamen dennoch viele Bürger Schwanstettens die Möglichkeit, ein eigenes Haus zu bauen.

6. Freizeitangebote

Kulturscheune Ein weiteres großes Plus der Marktgemeinde Schwanstetten sind die vielfältigen Freizeitangebote. Kegelbahnen in der Mehrzweckhalle und ein Bowlingcenter am Gemeindezentrum laden ebenso ein wie verschiedene gemütliche Gasthäuser. Spiel- und Bolzplätze, sowie ein Beach-Volleyballfeld bieten Kindern und Jugendlichen viele Möglichkeiten zum Spielen und Toben oder einfach nur um sich zu treffen.

 

Auch kulturell wird einiges geboten: In Leerstetten wurde gegenüber der evangelischen Kirche eine alte Scheune renoviert und für Kulturveranstaltungen hergerichtet. Der Verein Kultur in Schwanstetten (KiS e.V.) bietet ein vielfältiges Angebot, von Musikdarbietungen über Autorenlesungen bis zu Theater- und Kabarettaufführungen. Auch wer sich weiterbilden will, kommt auf seine Kosten, er findet in der Volkshochschule Schwanstetten die verschiedensten Kursangebote.

 

Ein natürliches Freizeitpotenzial bietet der Wald, der Schwanstetten umgibt. Rad- Wald und Wanderwege laden zu ausgedehnten Radtouren, zum Joggen und zu Spaziergängen ein. Der im Wald bei Leerstetten gelegene „Trimm- Dich- Pfad“ ermuntert ebenfalls zu sportlicher Betätigung. Auch die Reiter kommen im Wald rund um die Gemeinde voll auf ihre Kosten. Weiche Wege, die von keinerlei Straßen durchkreuzt werden, durchziehen den Wald. Dies ist sicher einer der Gründe dafür, dass es mittlerweile in jedem Ortsteil, sowohl in Leerstetten und Schwand, als auch in Harm, Furth und Mittelhembach, Pferde gibt. Einige Bauern nutzten die Gunst der Stunde und stellten von der Milchvieh- auf die ertragreichere Pferdehaltung um. In Schwanstetten gibt es zwei Reitvereine, den Reitclub Schwanstetten aus Leerstetten und den Reit- und Fahrverein Schwanstetten aus Harm.

Auch ansonsten hat Schwanstetten an Vereinen einiges zu bieten. Zwei Sportvereine, der Sportverein Leerstetten (SVL) und der 1. FC Schwand, bieten ein vielfältiges sportliches Programm. Dem Denksport hat sich der Schachklub Schwanstetten (SKS) verschrieben. Und wer sich für das Allgemeinwohl und die Sicherheit der Bürger Schwanstettens und Umgebung engagieren will, der kann das bei der Freiwilligen Feuerwehr in Schwand oder Leerstetten tun. Ob beim Deutschen Alpenverein, den Imkern oder den Sängerfreunden, bei der AWO oder den Kirchengemeinden, sicherlich findet jeder Bürger einen Verein, bei dem er seine Interessen wahrnehmen kann und in dem er Gleichgesinnte findet. Die „Interessengruppe Schwander Kärwa“, sowie die Käarwabuam und –madli aus Leerstetten und Schwand kümmern sich intensiv um die Brauchtumspflege. Die Theatergruppe „Die Struweliesen“ führt jedes Jahr im Herbst ein Theater für Kinder auf, dessen Erlös der „Elterninitiative Krebskranker Kinder Nürnberg“ zugute kommt. Auch internationale Kontakte werden in Schwanstetten groß geschrieben: der „Freundeskreis La Haye de Puits“ pflegt nun schon viele Jahre die Partnerschaft zwischen Schwanstetten und der Gemeinde La Haye de Puits in der Normandie. Seit 1988 besteht diese Verbindung offiziell. Neben diesen Vereinen gibt es noch viele andere, die aufzuzählen den Rahmen sprengen würde.

Pferdesport Schwanstetten bietet also viele Möglichkeiten zu einer aktiven Freizeitgestaltung, sei es alleine, mit Freunden oder organisiert in Vereinen. Dies ist sicher ein weiterer Faktor, der die Gemeinde attraktiv macht.

 

 

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Zusammenfassung

Aus den beiden ehemaligen Bauerndörfern Schwand und Leerstetten hat sich also eine moderne, attraktive Gemeinde entwickelt. Im Laufe dieser Entwicklung war mit vielen Problemen zu kämpfen: der Zuzug von Auswärtigen zerstörte die dörflichen Strukturen, die Integration war nicht immer einfach. Mit der Zeit legten sich viele der Unterschiede, Zugezogene mit dem Willen, sich zu integrieren, fanden Möglichkeiten, sich in das Dorfleben einzubringen. Es waren jedoch auch nicht immer alle Zugezogenen dazu gewillt. Einige schotteten sich ab und gaben sich keine Mühe. Andere wollten sich integrieren und Anschluss finden, bekamen aber von den Einheimischen manchmal nur schwerlich die Möglichkeit dazu. Im Laufe der Jahre jedoch wuchs der Ort mehr zusammen, auch wenn eine völlige Unterschiedslosigkeit zwischen Zugezogenen und Einheimischen auch heute noch nicht erreicht ist. In einer Gemeinde dieser Größe ist das aber wahrscheinlich auch schwierig. Die Strukturen der beiden Dörfer Schwand und Leerstetten haben sich grundlegend gewandelt. Einiges mag dabei kaputtgegangen sein, vieles ist aber auch neu entstanden. Die Veränderungen der letzten Jahrzehnte brachten sicherlich Nachteile, beispielsweise den Verlust des alten Gemeinschaftsgefühles, bei 7800 Einwohnern ist es einfach nicht möglich, dass jeder jeden kennt. Doch liegen auch die Vorteile der Veränderungen deutlich auf der Hand. Die verbesserten Versorgungsleistungen der Gemeinde erhöhen in vielerlei Hinsicht die Lebensqualität, sei es im Bereich einer leistungsfähigeren Verwaltung oder in Bezug auf verbesserte Dienstleistungseinrichtungen und Freizeitmöglichkeiten. Außerdem entstand über die Jahre ein neues, wenn auch anderes und nicht mehr so enges Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Gemeinde hat eine neue Identität gefunden.

Die vor der Zusammenlegung der beiden Orte Schwand und Leerstetten gegebenen Probleme von Neid und Streit unter den Einheimischen der Ortsteile, die sich durch die Vereinigung noch verstärkten, sind bis heute noch nicht ganz beigelegt. Von den Zugezogenen oft als Neckereien übernommen, gibt es dagegen noch Einheimische, denen es mit den Streitigkeiten wirklich ernst ist. Und nicht nur in der Generation derer, die die Zusammenlegung der Orte und die früher bestehenden Zwistigkeiten aktiv miterlebt haben, auch an die jüngeren Generationen wurde dies teilweise weitergegeben. Sicherlich nicht bei allen Einheimischen, so ist zu hoffen, dass auch unter den wenigen anderen, irgendwann Friede geschlossen wird.

Insgesamt zeigt sich die Marktgemeinde Schwanstetten heute als eine attraktive Gemeinde, die viel Lebensqualität bietet und in gewisser Weise die Vorzüge des Landlebens, wie Naturnähe, bietet und die Nachteile, wie hohe Abgeschiedenheit, fehlende Versorgungseinrichtungen –wie Krankenhaus oder weiterführende Schulen- durch die Nähe und gute Anbindung zu den mittleren Zentren Schwabach und Roth und dem Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen kompensiert.

 

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Grafikverzeichnis

Grafik 1: Die Entwicklung der Einwohnerzahlen in Schwand und Leerstetten von 1945 bis 1970

Grafik 2: Beschäftigungsstruktur in Schwand, Leerstetten und Schwanstetten von 1950 bis 1995

Grafik 3: Entwicklung der Einwohnerzahlen der Marktgemeinde Schwanstetten von 1978 bis 2002

 

Bildverzeichnis

Bild 1: Das ehemalige Schwander Schulhaus

Bild 2: Der 1962 erbaute Wasserturm

Bild 3: Das 1978 gegründete Postamt Schwanstetten 1

Bild 4: Das Rathaus der Gemeinde Schwanstetten

Bild 5: Die Mehrzweckhalle

Bild 6: Der Wald um Schwanstetten

Bild 7: Pferdehaltung in Schwanstetten

Bild 8: Die Kulturscheune in Leerstetten

 

Literaturverzeichnis

Engelhardt, Elisabeth: Ein deutsches Dorf in Bayern, Wuppertal 1986

Landratsamt Roth (Hrsg.): Unser Landkreis Roth, Bamberg 1995

Markt Schwanstetten (Hrsg.): 800 Jahre Leerstetten. Ein historischer Rückblick, Schwanstetten 1994

Müller, Horst: Gebietsreform- warum eigentlich? In: Bayernland. Der Illustrierte Zeitspiegel, 3/1972,

Neumann, Barbara: Schwand. Festschrift zur 800-Jahrfeier von Schwand, Schwanstetten 1986

Specht, Josef: Die Reform der Gemeinden vor 20 Jahren. In: Heimatkundliche Streifzüge, Schriftenreihe des Landkreises Roth, Heft 17, 1998, S4 ff

Specht, Josef: Die Landkreisgebietsreform–Geburtsstunde des Landkreises Roth. In: Heimatkundliche Streifzüge, Schriftenreihe des Landkreises Roth, Heft 16, 1997, S.9 ff

Stücklen, Richard: Mit Humor und Augenmaß, Weißenburg 2001

Guder, Arno: Bei uns... .Der Landkreis Roth und die Stadt Schwabach, Schwabach 1991

Frau Neumeier: Gespräche am 1.8.2002, 11.9.2002., 27.9.2002, 14.11.2002

Frau Scharrer: Gespräche am 14.09.2002, 18.1.2003

Frau Kolb: Gespräch am 31.10.2002

Frau Bauer: Gespräch am 26.9.2002

Herr Reichert: Gespräch am 28.01.2003

Befragung der Industriebetriebe im Gewerbegebiet am 26.9.2002

Bayrisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): * Heft 177

Bayrische Gemeinde- und Kreisstatistik 1949/50 , Band 5 Mittelfranken * Heft 231b

Bayrische Gemeindestatistik 1960/61 Band B, Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken, Schwaben * Teil1,

Bevölkerung und Erwerbstätigkeit * Teil 4, Betriebsstruktur in der Landwirtschaft * Heft 303

Bayrische Gemeindestatistik 1970, Band 3, Betriebsstruktur der Landwirtschaft * Heft 304b

Bayrische Gemeindestatistik 1970, Band 4, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, * Teil B, Regierungsbezirke Oberfranken, Unterfranken, Mittelfranken und Schwaben * Heft 306

Bayrische Gemeindestatistik1970, Band 5, Betriebsstruktur der Landwirtschaft

Brief der Gemeinde Leerstetten an die Kreisplanungsstelle in Roth b. Nürnberg vom 4.5.1972

Brief der Gemeinde Leerstetten an den Architekten Albin Hennig, Nürnberg, vom 8.5.1972

Bayrisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Statistischer Informationsdienst

Gemeindedaten für Schwand bei Nürnberg, 1973

Gemeindedaten für Leerstetten, 1973

Bayrisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Statistik kommunal 2000, Markt Schwanstetten 1

Engelhardt, Elisabeth: Ein deutsches Dorf in Bayern, Wuppertal 1986, (Engelhardt), S.9, Z.13f. 2 Engelhardt, S 9, Z.22f 3 Markt Schwanstetten (Hrsg.): 800 Jahre Leerstetten. Ein historischer Rückblick, Schwanstetten 1994, (800 Jahre Leerstetten), S.55 4 Engelhardt, S.7, Z.1ff. 5 Engelhardt, S.5, Z.20 ff. 6 nach: 800 Jahre Leerstetten. S.55 7Nach.: Müller, Horst: Gebietsreform- warum eigentlich? In: Bayernland. Der Illustrierte Zeitspiegel, 3/1972, S. 7-12 Specht, Josef: Die Reform der Gemeinden vor 20 Jahren. In: Heimatkundliche Streifzüge, Schriftenreihe des Landkreises Roth, Heft 17, 1998, S4 ff Specht, Josef: Die Landkreisgebietsreform –Geburtsstunde des Landkreises Roth. In: Heimatkundliche Streifzüge, Schriftenreihe des Landkreises Roth, Heft 16, 1997, S.9 ff 8Nach: Neumann, Barbara, Schwand. Festschrift zur 800-Jahrfeier von Schwand, Schwanstetten 1986 9Stücklen, Richard: Mit Humor und Augenmaß, Weißenburg, 2001, S.167, Z. 17ff 10 Befragung der Industriebetriebe im Gewerbegebiet Schwanstetten 11eigene Befragung der Industriebetriebe im Gewerbegebiet Schwanstetten am 26.9.2002

Weitere Quellen hierzu finden Sie auch im: Literaturverzeichnis

 

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