Hirtenhaus

Gemeindehirte


Der Gemeindehirte

aufgeschrieben von Hans Volkert

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts lagen in unserer Gegend noch große Flächen brach. Und selbst nach Aufgabe der 3-Felder-Wirtschaft war der Anteil der Hutungen an der gemeindlichen Gesamtfläche noch beträchtlich.

Bis dahin konnte sich auch - zumindest während der Sommermonate - die Stallfütterung nicht durchsetzen. Was lag da also näher, als eine ausgedehnte Weidewirtschaft zu betreiben? Kein Wunder also, wenn auch die kleinste Ortschaft einen Hirten beschäftigte.

Ein Viehhirte stand auf der Sozialleiter auf einer der niedrigsten Stufen. Er war in der Regel alleinstehend und meistens arm. Üblicherweise wurde er von der Gemeinde für eine kürzere Zeitspanne angestellt (gedingt).

Für seine Leistungen bekam er Barlohn und vor allem Sachbezüge. Ein neuer Hirte konnte auch darauf vertrauen, dass ihm in der Ortschaft ein eigenes Haus, wenn auch spärlich aus­gerüstet, das sogenannte "Hirtenhaus", zugewiesen wurde.

Gelegentlich musste er dann sein Domizil mit Bettelleuten, Kesselflickern und Scheren­schleifern teilen, die von der Ortsverwaltung zur einmaligen Übernachtung eingewiesen wurden. Ein längerer Aufenthalt wurde diesen fliegenden Händlern und Handwerkern nicht gestattet, damit der Gemeinde keine Unterhaltsverpflichtungen erwuchsen.

Innerhalb der früheren Gemeinde Leerstetten blieb von den verschiedenen Hirtenhäusern nur noch das von Harm übrig, das liebevoll lange Jahre von den seinerzeitigen Mietern gepflegt wurde.

Rother Straße 8

Das Hirtenhaus von Schwand

Erdgeschossiges Kleinhaus, ursprünglich 1785, Mitte des 19. Jahrhunderts an- und umgebaut. (Flur Nr. 95)

Hausname: Hirten- und Schießhaus der Gemeinde Schwand,
im Grund- und Lagerbuch nur als Hirtenhaus geführt.

Situation: Das kleine traufständige Haus steht auf der rechten Seite der Rother Straße. Es fällt aus der Flucht der anderen Gebäude heraus und bedingt eine Verengung der Rother Straße. Die historisch gewachsene Situation im Altort hat sich hier erhalten, wenn auch die Umgebung teilweise durch Neubauten und Parkplätze verändert wurde. Im nebenstehenden Katasterplan von 1820 ist das Hirtenhaus mit der Hausnummer 53 bezeichnet, in der rot eingetragenen Ergänzung / Berichtigung von 1838 mit der Hausnummer 83.

Das Haus ist ein städtebauliches und sozialhistorisches Denkmal, das an dieser Stelle unverzichtbar ist.

Rother Straße 8

 

Rother Straße 8.

 

Das Hirtenhaus von Schwand

 

Erdgeschossiges Kleinhaus, ursprünglich 1785, Mitte des 19. Jahrhunderts an- und umgebaut. (Flur Nr. 95)

 

 

Hausname: Hirten- und Schießhaus der Gemeinde Schwand,
im Grund- und Lagerbuch nur als Hirtenhaus geführt.