Kurioses

Leerstetten - Chronik eines Dorfes

 

Elisabeth Engelhardt (1925 - 1978)

 

Leerstetten - Chronik eines Dorfes

 

Gemälde von E. Engelhardt

Vor einer Woche habe ich an einem Seminar des Frankenbundes und der Universität Erlangen teilgenommen.

Da wurde in verschiedenen interessanten Referaten festgestellt, dass wir, soweit es die Vergangenheit betrifft, zwar genau Bescheid wissen über das Leben des Adels, über Schlösser und Bürgerhäuser, wir haben lückenlose Dokumente über Handwerker, Gilden, Zünfte. Das Leben in den Städten braucht man nur aufzublättern, aber keiner der Wissenschaftler, die berufsmäßig in Archiven stöbern, kann Auskünfte geben über die Verhältnisse in den Dörfern. Dabei bildeten gerade sie das unerschöpfliche Menschenreservoir der Städte.

 

Doch Dorfbewohner und ihre Geschichte sind weitgehend anonym geblieben. Chroniken sind praktisch nicht vorhanden oder stammen aus jüngerer Zeit. Wer hätte sich auch die Mühe gemacht, aufzuschreiben, wie es war, wie es zuging. Die einzige Chronik war das Gedächtnis der alten Leute. Mündliche Überlieferungen lebten ein paar Generationen weiter - und wurden vergessen. Leerstetten machte, leider, keine Ausnahme.

 

Was Großvater, Großmutter erzählten, die Enkel haben es noch gehört, aber an deren Enkel wieder blieb kaum etwas haften, kaum eine Spur.

So sollte ich lieber zuhören, was sie zu sagen wissen. Da es aber andersherum gehen soll heute, möchte ich wenigstens das sagen, was ich weiß.

 

Vergessen wir unser bekanntes Leerstetten, drehen wir an der Zeitenuhr, stellen wir sie, im Geist ist alles möglich, um tausend Jahre zurück, denken wir Häuser, Straßen, Kirche, alles weg, nur der Wald bleibt, und für den Anfang der Name, eigentlich zwei Namen, Larenstetten und Layrstetten, a, y, r.